Nazifizierung der Theologischen Fakultät Jena


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Bis 1933 war die Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Jena politisch und theologisch größtenteils liberal eingestellt. Unter Federführung des radikalen Deutschen Christen und Regierungsrates Siegfried Leffler begann das Thüringer Volksbildungsministerium in der zweiten Jahreshälfte 1933 jedoch, die Fakultät im nationalsozialistischen Sinn umzugestalten.


Dazu setzte das Ministerium den wissenschaftlich nicht ausreichend qualifizierten, aber loyalen Deutschen Christen Wolf Meyer-Erlach (1891–1982) auf den Lehrstuhl für Praktische Theologie und verdrängte den bisherigen Lehrstuhlinhaber. Meyer-Erlach, der sich vor allem durch seine radikal nationalsozialistischen Aktivitäten in Bayern hervorgetan hatte, wurde zwei Jahre nach seiner Berufung Rektor der Universität Jena.


Meyer-Erlach und Leffler setzten alles daran, weitere nationalsozialistische Theologen in der Fakultät zu installieren. Bis 1936 verteilten sich die Lehrstühle allerdings noch zu gleichen Teilen auf Deutsche Christen, liberale Theologen und Anhänger der Bekennenden Kirche. Ähnlich verteilte sich zunächst auch die Orientierung unter der Studentenschaft.


Dies änderte sich, als es Meyer-Erlach gelang, den Lehrstuhl für Systematische Theologie mit dem treuen Nationalsozialisten und SA-Mitglied Heinz Erich Eisenhuth (1903–1983) zu besetzen. Zudem erhielt 1936 Walter Grundmann (1906–1976) einen Lehrauftrag für Völkische Theologie.


Grundmann wurde bis 1945 die dominierende Gestalt der Theologischen Fakultät und der Deutschen Christen; 1939 exponierte er sich außerdem als Gründer und Leiter des kirchlichen antisemitischen „Instituts zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“ in Eisenach. Dank der Berufungspolitik Meyer-Erlachs und Lefflers war die einstmals liberale Jenaer Fakultät fortan deutlich vom Geist des Nationalsozialismus geprägt.


Im Mai 1938 verfasste die Fakultät eine Denkschrift, die eine umfassende Reform des Theologiestudiums und der Theologischen Fakultäten vorsah. Die Theologie wurde dabei in erster Linie als Religionswissenschaft verstanden, da das religiöse Leben ein entscheidender Faktor innerhalb der Geschichte und des Lebens unseres deutschen Volkes und der Völker überhaupt ist. Dementsprechend sollte auch die deutsche Frömmigkeit aufgearbeitet werden.


Charakteristisch war die Absicht, Disziplinen wie Neues Testament in Kunde des Evangeliums und die Anfänge des Christentums und Altes Testament in Lehrstuhl der Religionsgeschichte des Vorderen Orients umzubenennen. Zu den zahlreichen Versuchen, dieses nationalsozialistisch geprägte Programm in Jena auch praktisch umzusetzen, gehörten Lehrveranstaltungen wie Glaube und Weltbild der Arier, die Abschaffung verpflichtender Hebräischkenntnisse sowie die Ablehnung zahlreicher Promotionen, die der nationalsozialistischen Rassenideologie nicht entsprachen.


Quelle / Titel


  • ©Universitätsarchiv Jena, Personalakte H. E. Eisenhuth, Bestand D, Nr. 603, Bl. 15r–16v.

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