Denkschrift 1943


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Im Sommer 1940 siedelte Metzger nach Berlin über, in das Piusstift im Wedding. Hier glaubte er irrigerweise, vor der Gestapo sicherer zu sein, doch 1941 durchsuchte diese seine Wohnung.


In Berlin fand Metzger Eingang in den Kreis um Hanna Solf (1887–1954), Witwe des Diplomaten Wilhelm Solf (1862–1936). Der Gesprächsrunde gehörten Regimegegner wie Albrecht Graf von Bernstorff (1890–1945), Otto Kiep (1886–1944) und Elisabeth von Thadden (1890–1944) an.


Zum Kreisauer Kreis hatte man über Helmuth James Graf von Moltke (1907–1945) Kontakt. Metzgers Aufgabe bestand darin, den Kreis über die Una Sancta zu informieren, doch wurde er auch in die politischen Überlegungen mit eingebunden.


Mit seinem badischen Landsmann, dem früheren Zentrumspolitiker und Referenten im Auswärtigen Amt, Richard Kuenzer (1875–1945), war er sich rasch einig in der pessimistischen Deutung der militärischen Lage. Dies veranlasste Metzger zu weiterführenden Überlegungen, wie Deutschland im Fall einer Niederlage sich selbst regieren und nicht unter Besatzungsherrschaft fallen könne.


Bei einem Folgetreffen bei Kuenzer lernte Metzger einen Schweizer Kaufmann kennen, der angeblich Kontakt zum früheren Reichskanzler Joseph Wirth (1879–1956) hatte, tatsächlich aber als Gestapo-Informant den Solf-Kreis ausspionierte. Im Gespräch über Deutschlands Zukunft lehnten Kuenzer und Metzger einen Militärputsch ab, da für das Ausland eine Militärregierung nicht akzeptabel sei und Kuenzer Zweifel an der politischen Kompetenz des Militärs hatte. Da Metzger an der Vertrauenswürdigkeit des Kaufmans zweifelte, unterließ er weitere Kontakte.


Unter dem Eindruck des Russlandfeldzugs hatte Metzger im Herbst 1941 geplant, Hitler in einem Brief zum Rücktritt aufzufordern und so den Weg für den Frieden frei zu machen. Nach Stalingrad verfasste er ein zweiseitiges Memorandum zur künftigen föderalen politischen und wirtschaftlichen Gestalt des als Bundesstaat „Nordland“ bezeichneten Deutschlands.


Über Bischof Erling Eidem in Uppsala (1880–1972) wollte er den Text, der die Alliierten gegenüber Deutschland mäßigend beeinflussen sollte, nach England gelangen lassen. In der ihm aus der Una Sancta-Bewegung bekannten Schwedin Dagmar Imgart (1896–1980) fand Metzger eine Botin, der er am 29. Juni 1943 sein Memorandum übergab – in Wahrheit arbeitete sie für die Gestapo.


Metzger wurde kurz nach der Übergabe zusammen mit zwei Berliner Christkönigsschwestern verhaftet.


Quelle / Titel


  • © Auszugsweise Abschrift aus: Klaus Drobisch: Wider den Krieg. Berlin 1974, S. 113f.

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